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Von der Antike zur mittelalterlichen Stadt

 

Die Anfänge

Einige Waffen, behauene Feuersteine und Behausungen sind die ersten Spuren der Besiedelung des heutigen Standorts von Lausanne am Seeufer (Vidy) und auf dem Hügel, auf dem heute die Kathedrale steht. Diese Spuren sind über 8000 Jahre alt. Gegen 4000 v. Chr. wurden am Seeufer die ersten Dörfer errichtet. Zwischen 4300 und 3300 v. Chr. wurden in Vidy über 200 Gräber ausgehoben, was in der Schweiz einzigartig ist. Ab dem Beginn des zweiten Jahrtausends v. Chr. wurden von den Ackerbauern, die Werkzeuge und Gefässe aus Kupfer und Zinn herstellten, ganz in der Nähe Menhire aufgerichtet. Diese Menschen äscherten ihre Verstorbenen ein. Zwischen den Jahren 1000 und 800 v. Chr. verlor der dicht besiedelte Ort am Seeufer an Attraktivität und verkümmerte zusehends, bis er in der Zeit der Gallier und Römer wieder an Bedeutung gewann.
 

Die Zeit der Römer

Über die keltischen Völker, die sich in der Region niedergelassen hatten, liegen nur wenige Informationen vor. Im Jahr 15 v. Chr. gerieten sie unter römische Herrschaft. Es wurde der Marktflecken Lousonna (keltischer Name) gegründet. Die antike Stadt zählte nach kurzer Zeit über 1500 Einwohner. Vor der Stadt wurde ein Theater errichtet, während sich die wohlhabenden Stadtbewohner an den Flanken des Hügels niederliessen. Ein durch einen Damm geschützter Hafen erleichterte den Warenaustausch über den See. Am Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. kam die Dynamik von Lousonna durch die Errichtung eines Forums mit einer Basilika, einem Altarraum und einem Tempel zum Ausdruck. Nach zwei Jahrhunderten mit zunehmender Prosperität begann der römische Frieden zu bröckeln. Im Lauf des vierten Jahrhunderts verliessen viele Bewohner das Seeufer und flüchteten auf den Hügel der Stadt in das neue Castrum (befestigtes Feldlager). Im Vergleich mit dem antiken Lousonna stand der Bevölkerung nun viel weniger Raum zur Verfügung. Dies führte zu einer sehr dichten Parzellierung des Stadtgebiets, durch die der Raum im Mittelalter nachhaltig strukturiert wurde.

Das Hochmittelalter

Der Zusammenbruch der römischen Verwaltung war nicht gleichbedeutend mit Anarchie. Die Christianisierung der Welt ging mit neuen räumlichen Aufteilungen einher. Im Jahr 517 wurde Lausanne zu einer Diözese. Am Ende des sechsten Jahrhunderts nahm der Bischof Wohnsitz in der Stadt, womit Lausanne zu einer Kirchenstadt wurde. Die Lausanner Bevölkerung, die bis zum neunten Jahrhundert am Stadthügel Schutz gesucht hatte, begann sich nun zunehmend in der näheren Umgebung niederzulassen. So entstanden die neuen Quartiere der Stadt (Palud, Bourg). Unterstützt von den burgundischen Königen baute der Bischof – der ab 1032 Reichsfürst war – seine Macht in der Region immer mehr aus. Gleichzeitig liessen sich in der Stadt religiöse Orden nieder. Im 12. Jahrhundert stand der See dank dem Hafen von Ouchy, der durch ein Schloss geschützt wurde, erneut im Zentrum der Handelstätigkeit.
 

Das Spätmittelalter

Im 13. Jahrhundert erreichte die mittelalterliche Stadt ihre maximale Ausdehnung. Lausanne zählte damals knapp 9000 Einwohnerinnen und Einwohner und war damit die grösste Siedlung in der ganzen Westschweiz. In dieser Zeit gelangte die Stadt, die zu einem Wallfahrtsort geworden war, an ihren Zenit. Symbolisiert wurde dies durch die Einweihung der gotischen Kathedrale im Jahr 1275. Von der Krise in Europa im 14. Jahrhundert war auch Lausanne betroffen. Die Bevölkerungszahl nahm ab, womit die wohlhabendsten Bewohner die Möglichkeit hatten, ihr Eigentum auf dem Stadtgebiet auszudehnen. In der Folge kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen dem Bistum und dem Bürgertum. Die politische Einheit der Stadt wurde schliesslich im Jahr 1481 konkretisiert. Es wurde eine kommunale Autonomie eingeführt, die auf den Regeln des Gewohnheitsrechts beruhte, welche im Plaict général aus dem Jahr 1368 festgehalten waren. Im Jahr 1525 unterzeichnete die Stadtregierung einen Burgrechtsvertrag mit den Städten Freiburg und Bern. Dies war ein entscheidender Schritt, der den Übergang zur protestantischen Reformation ermöglichte.

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