Lausanne Kathedral - © LT/ Laurent Kaczor

Das zeitgenössische Lausanne (20.-21. Jahrhundert)

 

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

Ab Anfang des 20. Jahrhunderts durchlief Lausanne eine starke Entwicklung. Die Weinberge verschwanden aus dem Stadtbild, die Strassen wurden für den Autoverkehr verbreitert, in Bel Air wurde 1931 das erste Hochhaus der Schweiz gebaut. Für den aufstrebenden Tourismus entstanden in der Stadt und am Seeufer Hotelpaläste, und durch seine Universität, seine technische Hochschule und seine Hotelfachschule empfahl sich Lausanne als Studienort. Obwohl die Stadt vom Ersten Weltkrieg verschont blieb, bekam auch sie die verschlechterte Wirtschaftslage zu spüren, unter der die Nachbarländer in der Zwischenkriegszeit litten. Davon zeugt ein mehrheitlich sozialistischer Stadtrat, der für die Legislatur 1934 bis 1937 die Mehrheit der Wählerstimmen erhielt. Danach kam erneut die bürgerliche Koalition ans Ruder, während die Kommunisten und die Fédération socialiste suisse in der Zeit des Zweiten Weltkriegs verboten wurden.

Die Jahre des Wirtschaftswunders

In der Nachkriegszeit herrschte ein Klima der Euphorie und der Überhitzung. Von dieser Stimmung zeugt die Landesausstellung, die 1964 in Lausanne durchgeführt wurde. In den 1970er-Jahren griff die städtische Dynamik auf die Gemeinden am Stadtrand über, in denen sich Industrie, Handel und Wohnungsbau sehr stark ausbreiteten. Die Formen der Raumnutzung zeigen, dass eine städtische Agglomeration und eine Region entstanden, die sich über das Lausanne früherer Zeiten hinaus erstreckten. Doch die politische Verflechtung, die auf dem Festhalten am Grundsatz der Gemeindeautonomie beruhte, blieb stark verwurzelt. Die Idee einer Regionalisierung kam deshalb kaum über das Konzeptstadium hinaus und wurde nur zögerlich umgesetzt. In der Folge verschlechterte sich die Konjunkturlage markant. In den 1990er-Jahren erlebte Lausanne die schwerste Rezession seit den 30er-Jahren. Ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit, der mit einer Immobilienkrise und einer Erhöhung des Defizits und der Schulden der öffentlichen Hand einherging, beschäftigte Bevölkerung und Behörden während mehreren Jahren.
 

Lausanne heute

1993 erhielt Lausanne, das seit 1995 Sitz des Internationalen Olympischen Komitees ist, den glanzvollen Titel Hauptstadt der Olympischen Bewegung. Durch ihren neuen Status wurde die Stadt zum weltweiten Zentrum der Sportadministration. Zahlreiche internationale Sportverbände liessen sich hier nieder. Aus der Wirtschaftskrise der 1990er-Jahre ging die Genferseeregion übrigens gestärkt hervor. Mit ihr profilierte sich Lausanne auch als führendes Zentrum einer Wissensökonomie, die von einem Netzwerk international angesehener Bildungs- und Forschungsinstitute getragen wird (Eidgenössische Technische Hochschule, Universität, Hotelfachschule Lausanne, IMD usw.). Der Wandel der Stadt setzte sich fort. Er beschleunigte sich gar im Bestreben, ein neues Gleichgewicht zwischen Verdichtung des Siedlungsraums, Unterbringung einer Bevölkerung mit sehr unterschiedlichen sozialen und steuerlichen Merkmalen, der Ansiedlung von Grossunternehmen und der Internationalisierung der Handelstätigkeit zu finden. Das Stadtzentrum, vor allem das Tal des Flon, belebte sich wieder und brachte neuen Schwung ins Stadtleben. Als Symbol für diesen neuen städtischen Schwung konnte Lausanne die erste vollständig automatisierte Metro der Schweiz einweihen. Die neue Linie zweigt von der Ausgangsstation der Vorgängerlinie ab, die in den 1990er-Jahren in Betrieb genommen wurde. Sie vernetzt nun den Verkehr einer ganzen Region, die sich durch zahlreiche Vorzüge auszeichnet.

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